Folge 107 – Faire Mode neu denken: Wie Isabelle Kempf mit umgekrempelt eine gemeinschaftsbasierte Textilwirtschaft in Mannheim aufbaut

Fast Fashion zerstört Umwelt und Menschen. Aber wie sieht eine echte Alternative aus – und wo fängt sie an? In dieser Folge sprechen wir mit Isabelle Kempf, Gründerin des Mannheimer Ladens umgekrempelt, über ein Geschäftsmodell, das die Logik der Textilindustrie vom Kopf auf die Füße stellt. Statt auf Umsatz und Konsum zu setzen, trägt eine wachsende Gemeinschaft – die umgekrempelt ULTRAS – gemeinsam die Betriebskosten des Ladens. Solidarisch, konsumunabhängig und nachhaltig. In dieser Folge erfährst du:

Wie das gemeinschaftsbasierte Geschäftsmodell von umgekrempelt funktioniert Warum fairer Handel allein nicht reicht – und was der nächste Schritt ist Wie eine Gemeinschaft von 200 Menschen in Mannheim eine Alternative zur ausbeuterischen Textilwirtschaft aufbauen will Was Tauschen, Reparieren und Upcycling mit echter Transformation zu tun haben Wie du selbst Teil dieser Bewegung werden kannst

Isabelle Kempf hat mit umgekrempelt bewiesen: Es ist möglich, Kleidung fair, nachhaltig und gemeinschaftlich zu denken – auch in einer Stadt wie Mannheim.

🔗 Links zur Folge:
👉 Mitglied werden bei den umgekrempelt ULTRAS – Teil der Gemeinschaft werden und den Laden solidarisch mittragen:
www.umgekrempelt-mannheim.de/ultras/
👉 Das nachhaltige Sortiment von umgekrempelt – faire Mode, die bleibt:
www.umgekrempelt-mannheim.de
👉 MYZELIUM Mitte – Veranstaltung – Textile Wertschöpfung – Fair Fashion gemeinschaftsbasiert gestalten
März 18 / 20:00 – 21:15
https://www.myzelium.com/veranstaltung/myzelium-mitte-gemeinschaftsbasierte-vorsorge-mehrgenerationen-wohnen-und-pflege-neu-denken/

Für diese Episode des MYZELIUM Podcast liegt machninell erstelltes Transkript vor. Es wurde nicht nachträglich gegengelesen oder korrigiert. Im Zweifel gilt immer das gesprochene Wort.

Transkription

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Hallo und herzlich willkommen zum MYZELIUM-Podcast. Hier geht es um eine neue
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Art und Weise des Wirtschaftens, verbindend und lebensdienlich.
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Wir nennen es gemeinschaftsbasiert wirtschaften. Und dieser Podcast unterstützt
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dich dabei, deine Ideen und Unternehmungen gemeinschaftsbasiert umzusetzen.
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Hier teilen wir inspirierende Geschichten des Gelingens, nützliche Methoden
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und erfahrungsbasiertes Wissen aus dem MYZELIUM-Ökosystem und der Wandelbewegung.
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Mein Name ist Hanna Heller und ich freue mich sehr, dass du dabei bist.
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Herzlich willkommen zur 107. Folge des MYZELIUM-Podcasts.
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Heute geht es um umgekrempelt, Isabel und eine gemeinschaftsbasierte oder die
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gemeinschaftsbasierte Textilwirtschaft,
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die dringend aufgebaut werden muss, weil unser Planet unter dem vielen Plastikmist,
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den vielen Textilien, die ins Meer gespült werden, wirklich ächzt und wir dringend
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neue Lösungen brauchen.
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Aber dazu gleich mehr. Ich freue mich, dass du da bist, Isabel,
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und dir heute Zeit für uns nimmst. Hi.
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Hallo, schön, dass ich hier sein kann.
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Für alle, die dich noch nicht so gut kennen, wie wir dich jetzt schon kennen,
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also wir im Sinne von das MYZELIUM, aber ich auch als Hannah,
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genau, stell dich doch mal vor, wer bist du denn und was machst du denn?
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Ich bin Isabel, ich wohne in Mannheim und habe da seit über zehn Jahren einen
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Laden für verproduzierte Kleidung.
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Wir reparieren auch Lieblingsjeans schon von Anfang an, weil es mein Anliegen
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war, immer Nachhaltigkeit bis zum Ende zu denken.
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Und da reicht es eben nicht, nur verproduzierte Dinge zu kaufen,
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sondern es geht vor allem darum, Dinge länger zu benutzen.
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Und da ist Reparieren was ganz Wichtiges, habe ich von meiner Oma gelernt und habe,
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Mache ich in meinem Laden.
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Und ist es nicht eine total dumme Idee, Isabel, wenn man einen Laden hat,
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wo man Kleider verkaufen will, dazu anzuhalten, dass die Leute eben nicht so
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viele Kleider kaufen und sie auch noch reparieren und lange tragen und eben
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sich nicht ständig was Neues kaufen?
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Ja, also ist in unserem aktuellen System tatsächlich eine richtig, richtig dumme Idee.
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Keine Ahnung, was ich mir dabei gedacht habe. Hat auch tatsächlich dazu geführt,
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dass ich nach acht Jahren wirklich mit dem Rücken zur Wand stand und gesagt
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habe, huch, was machen wir?
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Und dann habe ich glücklicherweise das MYZELIUM gefunden und angefangen,
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mich mit gemeinschaftsbasierten Wirtschaften zu beschäftigen.
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Und ja, wir haben zusammen eine Lösung entwickelt, sodass der Laden noch da ist.
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Vielleicht springen wir da direkt rein. Erzähl doch mal, wie funktioniert es
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und vielleicht noch dazu gesagt, ihr findet über Isabel, wenn ihr umgekrempelt,
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umgekrempelt Ultras oder was muss man da in YouTube eingeben,
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dass man das Video findet.
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Wir verlinken es auch unten auf jeden Fall. Genau, es gibt nämlich sehr schöne
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YouTube-Videos, die auch dein Modell
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erklären, weil du schon sozusagen Vorzeigeprojekt warst für diverse CSX,
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also Community Supported Everything Forschungsprojekte, weil das, was du machst,
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ja, halt wirklich außergewöhnlich ist und auf jeden Fall Pilot- und Pioniercharakter hat.
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Aber jetzt, genau, habe ich genug Spannung aufgebaut. Jetzt erzähl doch mal, was machst du?
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Ja, ich habe ja gerade schon gesagt, ich möchte die Nachhaltigkeit zu Ende denken
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und genau, habe viel darüber nachgedacht, was braucht es wirklich,
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damit wir nachhaltig mit unserem Kleiderschrank umgehen können.
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Und dafür braucht es halt als erstes mal weniger von allem, weniger kaufen und
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wie du schon gerade gesagt hast, richtig dumme Idee zu sagen,
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kauf weniger, weil irgendwie muss ich ja meine Kosten im Laden decken.
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Und deswegen, als wir über das Modell nachgedacht haben, war mir ganz wichtig,
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dass wir sozusagen die Finanzierung des Ladens vom Konsum entkoppeln.
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Dafür wollte ich eine Lösung finden und daraus geworden ist tatsächlich eine
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Kombination von einem Solidarbeitrag und einem Gutschein-Abo,
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den unsere Mitglieder jeden Monat bezahlen.
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Mit dem Solidarbeitrag decken wir unsere Fixkosten, also Miete,
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Team ist der größte Posten und natürlich auch mein Einkommen.
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Und mit dem Gutschein-Abo können wir dann Ware einkaufen. Aber erstmal soll
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der Laden als Ort der Nachhaltigkeit existieren, ohne dass da nur eine einzige
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Hose über die Ladentheke geht.
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Das ist so die Grundidee.
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Ja, mega. Und magst du vielleicht mal so ein paar aktuelle Zahlen sagen?
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Also wie viele Mitglieder sind denn bei dir schon?
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Genau, wie viele Ultras gibt es denn schon? Die heißt nämlich,
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die Gemeinschaft hält nämlich umgekrempelt Ultras. Und um es gleich vorwegzunehmen,
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ich bin auch ein Ultra. Genau.
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Also es ist so spannend, weil ich weiß gar nicht, wie viel Soli-Beitrag ich
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bezahle, aber ich glaube so 20, 30 Euro im Monat als Beitrag zu den Fixkosten.
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Und dann habe ich irgendwie noch so, weiß ich nicht, 50, 60 Euro Guthaben und
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ich spare mir das immer an.
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Und dann gehen wir sozusagen zweimal im Jahr vielleicht, schaffe ich es,
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von Speyer nach Mannheim, mit meiner Family bei Isabel einkaufen.
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Und jeder darf sich was aussuchen, was Neues. Und ja,
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bald hoffe ich es auch zu schaffen zu den Reparier-Nachmittagen,
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die jetzt ganz oft stattfinden und wo ich meinen Wäschekorb an kaputter Kleidung
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mitbringen kann und die endlich mal reparieren kann,
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weil ich es alleine auch nicht tue und auch tatsächlich mir die Skills fehlen.
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Also ich glaube, hätte ich mehr Zeit mit meiner Oma gebracht,
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hätte mir die das schon auch noch beigebracht, aber genau, habe ich irgendwie verpasst.
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Und genau, wie ist denn so der aktuelle Stand und wo willst du vielleicht auch hin?
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Ja, du hast schon sehr, sehr viele coole Sachen gerade angesprochen.
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Also wir sind im Moment 80 Ultras, wobei ein Ultra oft auch eine ganze Familie
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ist oder eben auch ein Haushalt, kann auch mal eine WG sein oder so.
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Wir haben am Anfang quasi so als Richtwert rausgegeben, dass pro erwachsene
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Person wir uns 34 Euro Soli wünschen im Schnitt.
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Und da sind wir tatsächlich auch gelandet. Also wir haben ein Minimum von 10
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Euro und ganz viele Leute zahlen dieses Minimum.
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Also das ist wahrscheinlich die Hälfte oder so würde ich jetzt,
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das ist ein Bauchgefühl, aber zahlt ungefähr dieses Minimum.
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Und es gibt aber auch etliche, die halt erheblich mehr zahlen.
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Also wir haben Mitglieder, die zahlen uns jeden Monat dreistellige Soli-Beiträge,
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weil sie sagen, mein Einkommen gibt das her, das tut mir nicht weh und die Arbeit,
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die du da machst, die ist einfach wichtig und ich kann dich dabei unterstützen.
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So dass es wirklich.
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Über die Mitglieder hinweg eine große Solidarität gibt,
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sodass es wirklich vollkommen okay ist, wenn man diese 10 Euro bezahlt und eben
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andere, die sagen, hey, ich kann mir das leisten, die geben erheblich mehr,
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sodass tatsächlich eine Solidarität mit mir entsteht und wir diese Ladenkosten decken können.
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Und ich muss mich selber immer wieder daran erinnern, dass es dafür eigentlich
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keine Gegenleistung geben braucht.
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Die Gegenleistung dafür ist, den Laden gibt es weiter,
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weil ich quasi schon über den ganzen Zeitraum habe ich alleine dieses Risiko
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getragen und jetzt habe ich diese Gemeinschaft, die mit mir in die Verantwortung
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geht, damit es einfach diesen Ort der Nachhaltigkeit geben kann,
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wo wir Dinge machen können, die wirtschaftlich nicht rentabel sind in unserem System.
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Wie zum Beispiel unsere Mitglieder dazu eigen zu laden, ihre Klamotten selber zu reparieren.
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Ja, also dafür Geld bezahlen zu müssen, also kann man auch machen, das als Workshop.
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Aber ich finde auch, wir haben lange Workshops auch gemacht, es ist anstrengend.
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Da musst du eine gewisse Anmeldungszahl, dann musst du das kalkulieren,
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kommt es am Ende wieder raus.
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Und so kann ich einfach sagen, kommt, im Moment machen wir es einmal im Monat,
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aber das ist mal immer so ein Vortesten.
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Wenn es besser ankommt, dann machen wir das auch öfter. Weil wenn wir einfach da sind,
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der Laden quasi bezahlt ist als Ort und wir als Team auch, dann können wir ja alles machen.
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Wir können auch, wenn unsere Schneiderin bezahlt ist, Jeans reparieren,
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wo sich das niemals lohnen würde, die zu reparieren, weil es dann so viel kosten
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würde, wie wenn man eine neue Hose kauft.
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Haben wir tatsächlich auch schon gemacht gegen Bezahlung. Also bei Lieblingsjeans
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merkt man diese krasse Wertschätzung, die Leute haben für einzelne Kleidungsstücke.
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Aber meistens landen sie halt dann doch irgendwann in der Tonne,
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weil man sagt, naja gut, das rentiert sich jetzt nicht mehr.
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Wenn die Gemeinschaft quasi eine Schneiderin ausfinanziert, dann muss man sich
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nur noch innerhalb der Gemeinschaft einigen, was jetzt repariert wird.
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Aber im Prinzip kann sich dann jede Hose einfach in die Schlange stellen und
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wird halt dann repariert, wenn Zeit ist.
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Also sowas fasziniert mich halt wahnsinnig, weil wir da wirklich diesen Marktmechanismus
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komplett aushebeln können und einfach Dinge machen, die sich nicht rechnen.
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Also das ist ja bei Handarbeit ganz oft der Fall.
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Es ist ja auch so, wenn Leute zum Beispiel stricken und dann sagt im Freundeskreis
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jemand, ja Mensch, du solltest das verkaufen.
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Da gibt es immer wieder auf Insta auch so Videos, wo Leute dann vorrechnen,
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wie viel dann so ein selbstgestrickter Pullover kosten würde.
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Also das funktioniert halt einfach nicht. Aber der Wert entsteht halt in diesem
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gemeinsamen Tun, wirklich auch in dieser gemeinsam verbrachten Zeit und in diesem
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Lieblingsstück, was man dann einfach noch eine Runde weiter anziehen kann.
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Das klingt jetzt alles so, als würde es schon super funktionieren.
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Es ist so, dass diese 80 Mitglieder halt im Moment ungefähr ein Viertel unserer Ladenkosten decken.
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Das heißt, wir haben ein hybrides Modell im Moment und müssen halt parallel
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auch noch im alten System Umsatz generieren. Und das ist halt das,
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was im Moment schon auch anstrengend ist, dass wir halt beides machen.
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Ich pflege die Gemeinschaft und kümmere mich darum, mache diese Angebote und
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ich muss trotzdem halt immer gucken,
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dass ich Kleidung auch verkaufe, damit eben tatsächlich meine Kosten gedeckt
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sind und ich davon leben kann. Das ist halt immer der entscheidende Punkt.
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Das wird halt immer dann als erstes gestrichen sozusagen, weil das nicht fix
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ist für eine Unternehmerin.
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Genau. Also deswegen hätten wir gerne doppelt so viele Mitglieder.
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Dann wäre mein Leben noch viel leichter und wir könnten halt noch viel mehr
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nachhaltige Dinge tun, weil meine Energie dann einfach dafür zur Verfügung stehen
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würde, statt für den Verkaufsstruggle.
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Glücklicherweise ist ja bald Beitragsrunde. Wann ist denn die Beitragsrunde?
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Die Beitragsrunde ist an einem Montag, der 20.
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April um 18 Uhr bei uns im Laden. Man kann gerne schon ab 17 Uhr kommen und
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uns kennenlernen. Ganz gemütlich.
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Also, kommt vorbei.
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Jetzt habe ich es wieder vergessen. 20.
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April. Falls ihr jetzt diese Podcast-Folge hört und der 20.
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April 26 ist schon vorbei, gar kein Problem. Wir können auch unterjährig immer
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Mitglieder aufnehmen. Also ihr könnt einfach jederzeit vorbeikommen.
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Aber so eine Beitragsrunde ist trotzdem wirklich, wirklich ein cooler Moment,
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weil wir wirklich einen detaillierten Einblick hinter die Kulissen geben.
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Also ich lege alle Zahlen offen, die Umsatzentwicklung, die Beitragsentwicklung.
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Und man kann wirklich immer förmlich spüren, was das für uns bedeutet,
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dass es diese Gemeinschaft gibt und was es tatsächlich auch für die Textilindustrie
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bedeuten kann, weil es geht da ja nicht nur um mein Einkommen.
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Also das ist tatsächlich so wie, wenn man sich als erstes die Sauerstoffmaske aufsetzt.
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Also in der ersten Linie müssen wir jetzt mal dafür sorgen, dass ich diese Sauerstoffmaske
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habe, damit ich quasi diese Visionen verfolgen kann, die ich tatsächlich für
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die Textilindustrie insgesamt habe.
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Super Überleitung. Genau, ich muss hier gar nicht mehr viel tun.
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Du machst das im Monolog? Nee, es ist genau richtig so.
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Genau, weil es ist ja nur, es ist ein kleines Puzzlestein, ein Laden,
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in dem man seine Dinge reparieren kann und auch wirklich qualitativ hochwertige
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und nachhaltig produzierte Kleidungsstücke erwerben kann, wenn es dann doch was Neues sein soll.
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Das ist sozusagen ein kleines Puzzleteil in diesem Ganzen. Aber jetzt lüften
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wir mal den Vorhang sozusagen hinter die Textilindustrie.
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Und ich weiß, dass du einfach auch nicht nur eine wahnsinnige,
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wirklich wahnsinnige Unternehmerin bist, sondern eben auch eine große Visionärin
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in der Textilwirtschaft.
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Und deshalb, also vielleicht, ich finde das immer so spannend,
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weil wenn man nicht aus der Branche kommt, dann weiß man wirklich vieles nicht.
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Also bitte fangen bei Null an, so ungefähr.
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Weil, was ich auch so spannend finde, du hast ja auch so einen Druck als,
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jetzt nochmal aus der Einzelhandelsperspektive, als Laden viel zu verkaufen,
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weil du ja auch bestimmte,
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sozusagen Größenordnungen hast, die du überhaupt bestellen kannst bei bestimmten Marken.
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Die verkaufen ja nicht zehn Jeans oder so, sondern da musst du irgendwie, keine Ahnung,
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So und so viele bestellen. Also vielleicht erzählst du auch davon mal,
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was sind denn so erstmal vielleicht die Strukturen jetzt,
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in denen du dich bewegst und die Nachhaltigkeit widersprechen und wie können
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wir diese Muster und Strukturen vielleicht auch irgendwie clever umgehen oder verändern?
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Ja, also vielleicht fange ich da tatsächlich an. Wie funktioniert normaler Bekleidungseinzelhandel?
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Also man muss sich das so vorstellen, es gibt in der fair produzierten Mode
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zwei Kollektionen pro Jahr.
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Immerhin, klingt vielleicht schon viel, ist aber richtig, richtig wenig,
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ist schon wieder richtig back to the roots.
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Also das könnte man verbuchen und da läuft schon wieder relativ gut,
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weil im konventionellen Einzelhandel, also ich möchte keine Namen nennen,
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aber einfach die großen Ketten, die man so kennt, wenn man in irgendeine x-beliebige
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Innenstadt läuft in diesem Land, dann findet man sie, sieht ja alles gleich aus eigentlich.
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Da gibt es jede Woche eine neue Kollektion, mindestens.
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Online, ultra fast Fashion dann noch krasser täglich, mehrmals täglich.
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Also einfach laufend neue Sachen.
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Das ist dieses System, was wir Fast Fashion nennen und wo wir uns als Einzelhandelsgeschäft
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als Teil der Gegenbewegung sehen, nämlich mit Slow Fashion.
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Was dann auch kein Produkt ist, sondern was wir als Haltung begreifen,
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nämlich gute Sachen kaufen, weniger Sachen kaufen, sie lange benutzen,
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sie reparieren, sie weitergeben, wenn wir sie nicht brauchen,
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auch mal was second hand kaufen und so.
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Also dieses ganze Ding nennt sich Slow Fashion und wir begreifen uns als Teil dieser Bewegung.
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Okay, also es gibt zwei Kollektionen im Jahr. Kann ich die einfach so kaufen? Nein.
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Da brauche ich eine Glaskugel als Einzelhändlerin und muss ein Jahr im Voraus
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diese Dinge bestellen in der richtigen Menge, die ich dann benötigen werde.
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Spätestens seit Lockdown 2020 ist das alles komplett aus dem Takt.
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Und schon vorher ist das meiner Meinung nach nicht gut möglich gewesen mit dieser Glaskugel.
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Deswegen brauchen wir im konventionellen Einzelhandel Sale, damit wir diese
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blöden Reste, die wir dann ständig haben, immer raushauen.
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Von hinten drückt ja schon die nächste Ware, die ich dummerweise vor einem Jahr
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bestellt habe, obwohl ich jetzt vielleicht eigentlich gerade noch genug hätte.
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Das ist aber jetzt mal spannend, weil das bedeutet ja, du bestellst sozusagen,
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jetzt kommt der Sommer. Du hast die Sommerkollektion von irgendeiner nachhaltigen
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Produktionsfirma, hast du schon sozusagen im Sommer 25 vorbestellt?
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Ich nicht, aber wenn ich normal arbeiten, wenn ich konventionell arbeiten würde, ja.
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Also die meisten Fair Fashion Stores haben, die kriegen im Januar,
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Anfang Februar die Sommerware.
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Deswegen müssen sie dem Winterzeug kurz raushauen, weil, also das kommt ja nicht
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nur die Ware, sondern es kommt auch die dicke Rechnung für alles auf einmal.
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Genau, aber die Rechnung kommt erst, wenn die Ware ausgeliefert ist.
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Weil das ist ja auch spannend, wenn du über die gemeinschaftsbasierte Textilwirtschaft nachdenkst.
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Die lassen sich ja wirklich ihre Produktion nicht vorfinanzieren,
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aber zumindest vorplanen.
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Also sie fragen an, was wird bestellt und in der Größenordnung produzieren sie.
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Ist ja erstmal nicht ganz so dumm, oder?
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Genau, so wird auch oft argumentiert, weil, also jetzt lasse ich die Katze aus
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dem Sack, ich rebelliere gegen dieses System.
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Weil ich sage, hallo, ihr gebt mir nur den schwarzen Peter weiter.
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Ihr wollt keine Glaskugel benutzen, also muss ich die Glaskugel benutzen.
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Ich weiß es aber auch nicht, was ich brauche. Und die sagen dann so,
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ja, das ist dann voll nachhaltig, weil dann haben wir keine Reste.
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Ja, hallo, ich hab dann die Reste, was soll der Kack?
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Entschuldigung, ich bin manchmal ein bisschen unflätig, aber es ist wirklich zum Aufregen.
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Ja, die sagen, sie müssen das wissen, damit sie das produzieren,
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was auch tatsächlich gebraucht wird.
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Ich sage Trugschluss, ihr schaut halt nur euren kurzen Weg an,
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aber die textile Kette ist halt länger.
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Die geht los bei der Materialproduktion und die geht halt bis in den Schrank von den EndkundInnen.
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Und so müssen wir das denken. Also das ist halt wirklich leider sehr komplex. Was?
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Aber es sind nicht alle so. Es gibt auch welche, die machen das anders,
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die sind flexibler und ich bevorzuge halt die.
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Also ich wähle meine Lieferanten weitgehend danach aus, dass ich auf diese,
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also Fororder heißt es, dass ich das ein Jahr im Voraus bestelle,
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wo ich darauf verzichten kann.
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Oder was auch in Ordnung ist für mich, zum Beispiel bei den Jeans kann ich Dinge
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vorbestellen, die sowieso immer im Sortiment sind.
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Also zum Beispiel bei den Jeans-Modellen, das nennt sich dann NOS, Never Out of Stock,
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wollen die halt auch planen, okay, aber ich kann quasi sagen,
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ja, ich will von diesem Jeans-Modell einfach die gängigen Größen,
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die brauche ich auf jeden Fall.
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Und da brauche ich auch keine Glaskugel, weil das ist bei mir auch schon statistisch.
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Die werde ich auf jeden Fall brauchen, weil das ist ein Jeansmodell,
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was wir die ganze Zeit haben.
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Aber halt bei irgendeinem modischen Kleidungsstück, irgendein Kleid in einer
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knalligen Farbe, was es dann halt nur diese eine Saison gibt und dann auch wieder nicht mehr.
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Also sowas wollen wir halt im Laden eigentlich gar nicht haben.
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Und manche Modefirmen schließen das dann halt aus. Die sagen,
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wenn du unsere Kollektion nicht nimmst, dann verkaufen wir dir gar nichts.
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Und das finde ich halt doof.
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Also in meiner idealen Welt sind halt Modefilmen so, dass sie sich auf etwas
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spezialisieren tatsächlich und dass sie eine Sache richtig, richtig gut machen.
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Zum Beispiel die perfekte Jeans oder den super guten Pullover oder T-Shirts
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mit ganz vielen verschiedenen Schnitten und ganz vielen verschiedenen Farben
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oder die perfekte Socke oder Unterhosen.
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Und es gibt viele, die das so machen und sich sehr stark spezialisiert haben.
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Und die dann auch, die hat es auch in Corona nicht rausgehauen, als Lockdown war.
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Weil die hatten keine Kollektion, die man dann sogar steuerlich super abschreiben
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konnte und die dann vernichtet wurde.
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Weil ist ja dann kurze Zeit später wieder out, ist ja dann wertlos.
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Entschuldigung, das sind Klamotten, die wir produziert haben.
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Da wurde Ressourcen eingesetzt, da wurde Arbeitskraft eingesetzt.
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Warum bitte ist das wertlos?
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Also unser System ist wirklich, wirklich krank und mein Ansatz ist halt zu sagen,
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wir brauchen richtig gute Basics, weil auch Jeans-Schnitte sind einer krassen Mode unterworfen.
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Also jetzt werden die Jeans gerade immer sehr, sehr weit.
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Davor konnte man nur Skinny tragen und du bekommst halt auch nichts anderes.
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Und wir sehen halt, hey, wir sind unterschiedlich, uns gefallen unterschiedliche
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Dinge, unsere Körperformen sind unterschiedlich.
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Es gibt Leute, die sehen super aus in der Skinny Jeans und es gibt halt welche,
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die sehen super aus in der Baggy Jeans und manche mögen High Waist und manche mögen Low Waist.
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Warum kann man immer nur eins davon gerade kaufen?
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Totaler Schwachsinn. Also ich hätte gerne ein Jeansregal, wo du alle verschiedenen
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Schnitte zu jeder Zeit anprobieren kannst.
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Kaufen kannst, logischerweise auch.
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Ja, das ist lustig.
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Genauso die T-Shirts. Also ich meine, was soll das? Und natürlich darf man seine Meinung ändern.
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Also ich habe auch die ganze Zeit Skinny Jeans getragen und bin jetzt bei den
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White Barrel gelandet und finde es voll geil. Es ist wie ein neues Leben.
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Das darf Mode sein. Das darf richtig viel Spaß machen.
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Aber wir brauchen deswegen nicht Kollektionen, die nur ein paar Monate verfügbar ist.
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Und gerade bei Jeans ist Katastrophe Kollektion.
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Weil, ich meine, stell dir mal vor, es gibt 10 verschiedene Größen,
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wenn wir nur die Standards nehmen.
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Dann fallen die Leute mit klein und groß schon wieder raus. Eigentlich auch scheiße.
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Ich will eigentlich mindestens 20 Größen, damit ich wirklich allen eine Jeans anbieten kann.
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Weil Größe 46 bei Damen oder XL ist eigentlich eine Durchschnittsgröße.
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Aber da hört es auf bei den meisten Marken. Also wir schließen ganz,
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ganz viele Menschen aus.
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Gibt es auch, möchte ich hier Otherwise nennen, die sich darauf spezialisiert
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hat. Das ist wirklich großartig, was sie da macht.
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Otherwise.
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Otherwise produziert in Deutschland und sehr inklusiv, also von XXS bis 6XL.
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Weil sie sagt, das kann nicht sein, dass Modelabels nur für XS bis XL produzieren.
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Das geht gar nicht, weil wir schließen ganz, ganz viele aus.
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Ja, großartig, was sie macht.
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So, kurz den Faden verloren. So, also ich hätte gerne 20 Größen.
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So, und dann muss halt immer jemand kommen, der genau die Weite in der Länge,
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die ich da habe, passt. Und die Farbe muss auch noch gefallen.
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So, und wenn es gut läuft, verkaufe ich halt die Hälfte von diesem Dienststapel,
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der da liegt in einer Runde.
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Egal, ne? Also ich meine, je mehr du verkaufst, umso schneller dreht sich das sozusagen.
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Aber die Wahrscheinlichkeit, dass ich alle verkaufe, die ist verschwindend gering.
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Und dann, wenn das Kollektion ist und ich nicht die Größen, die ich verkauft
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habe, nachziehen kann, so dass dieser Stapel, in meiner idealen Welt sind immer alle 20 Größen da.
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Weil ich meine, du kommst und du wirst anprobieren. Wenn ich deine nicht da
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habe, kannst du nicht anprobieren. Blöd.
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So, also ich muss die nachziehen können. Wenn ich das nicht kann,
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werden es immer weniger und die Wahrscheinlichkeit, dass du kommst und anprobieren
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kannst, wird immer geringer und dann hast du schon keinen Bock mehr oder du
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probierst eine an, bräuchst du eine größere, ja, ist dummerweise nicht mehr da.
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Also es wird immer schwieriger, die Alu zu verkaufen.
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Musst du auf der Straße rumlaufen und wissen, welche Jeans du hast und dann
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sozusagen den Körper ansprechen, der noch zu deinen wenigen Jeans, also so vielleicht.
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Tatsächlich, also wenn ich selber im Laden bin, nach zehn Jahren habe ich einen
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Blick für die Hintern der Nation.
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Wenn jemand in der Umkleide ist und ich sehe das, dann muss ich halt im Kopf
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wissen, ey, ich habe da noch diese eine, das könnte passen und wenn das gelingt,
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dann ist es halt so voll, dann mache ich eine Flasche Sekt auf, so ungefähr, weil,
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Aber es ist so schwierig und es ist einfach unnötig, weil Jeans sind,
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wir können immer die gleichen Jeans haben. Weil Jeans ist halt Jeans.
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Was gibt es denn für gute Jeans-ProduzentInnen, wo das möglich ist?
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Gibt es die schon? Gibt es da welche?
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Wir haben übrigens eine Folge aufgenommen mit Bleed.
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Die haben ja Jeans produziert.
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Die produzieren auch. Bleed heißt jetzt Piquea. Die haben auch eine sehr interessante Lösung gefunden.
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Die machen jetzt nämlich nur On Demand. Also die haben jetzt wirklich diese
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Vororder, über die wir gerade gesprochen haben, die immer vom Handel verlangt
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wird, haben die auf die Endkunden weitergegeben.
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Also die sagen jetzt, guck mal, wir haben hier eine Kollektion entwickelt,
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ihr könnt dieses coole Basic Shirt, also sehr reduziert.
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Sau cooler Weg, sau cooler Weg. Und diese Jeans und sagt uns,
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was ihr wollt und dann produzieren wir nur das, was halt schon verkauft ist.
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Aber wäre das nicht auch eine gute Sache für dich, wenn du sagst,
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okay, ich habe zum Beispiel von Piquea alle Modelle da,
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die kann man anprobieren, aber die Bestellung an sich des Modells,
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das kann man dann im Laden von mir aus, kannst du sagen, aha,
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okay, ist die Größe und dann sagst du, okay,
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klasse, bestelle ich dir in zwei Wochen, kannst du hier im Laden abholen oder
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so. Also wäre das nicht auch eine...
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So machen wir es ja im Prinzip auch. Also weil oft sagen die Leute, ja,
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ich brauche Länge 34 oder ich brauche Länge 30 und wir haben halt einfach meistens
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nur Länge 32 da, weil das halt so der Standard ist, was halt viele haben und
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die andere Länge, die passende, die bestellen wir dann.
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Also wir versuchen halt, alle Weiten da zu haben und dann die richtige Länge nachzubestellen.
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Was auch dazu führt, dass wir Verkäufe verlieren, aber das ist dann halt so,
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weil mit jeder, also sonst bindet es uns zu viel Kapital.
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Sonst müssen wir halt noch viel, viel mehr Jeans da liegen haben.
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Aber im Prinzip machen wir es genau so. Das Problem ist halt bei der Herstellung,
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du kannst halt nicht eine einzelne Jeans produzieren.
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Also du musst halt schon in der Produktion wirklich viele machen,
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aber deswegen sind diese NOS-Sortimente halt Gold wert,
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wo die Hersteller sozusagen ihre Erfahrungswerte benutzen, um zu sagen,
0:25:57–0:26:01
ja, das geht immer, davon brauchen wir diese Mengen und die haben wir einfach immer für euch da.
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Genauso bei jetzt irgendwie die Unterhosen von Komatsu Earth zum Beispiel.
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Das ist halt einfach eine Unterhosenfirma, die es schon über 100 Jahre gibt.
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Die haben einfach Erfahrungen und die machen Komatsu Earth.
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Das sind einfach einfargeige Unterhosen aus Bio-Baumwolle.
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Also die verkaufen wir halt hoch und runter, weil wir dann einfach Leute haben,
0:26:23–0:26:25
die kaufen viel Second Hand, die gehen viel zum Kleidertausch,
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aber eine Unterhose tauscht man halt nicht.
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Nee, das ist auf jeden Fall der Weg. Also Jeans haben wir von Dorn und von Fair
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Jeans, wo wir wirklich einzelne Hosen auch unterjährig dann nachbestellen können.
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Das ist für uns wirklich das Entscheidende. Also ich würde keine Jeansmarke
0:26:42–0:26:48
aufnehmen, wo ich nur vorordern kann, weil das macht keinen Sinn.
0:26:48–0:26:52
Also diese Flexibilisierung unterm Jahr ist absolut wichtig.
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Genau. Und dass halt nicht diese Reste entstehen, die man dann im Sale,
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also wir machen kein Sale, weil ich das Signal falsch finde.
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Also für mich ist Sale so ein Signal von Dinge sind weniger wert.
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Sind sie im Prinzip auch, weil sie so anstrengend zu verkaufen sind.
0:27:11–0:27:14
Aber an dem Kleidungsstück an sich hat sich ja nichts verändert.
0:27:15–0:27:20
Und ich kenne das halt aus Erfahrungsberichten sozusagen von anderen Fair Fashion Stores,
0:27:20–0:27:23
die Sale machen, dass halt Leute kommen und sagen,
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aber macht ihr den Sale, ich kaufe jetzt nichts, ich komme dann nochmal wieder,
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dass halt niemand mehr den normalen Preis bezahlt und das können wir uns halt
0:27:32–0:27:35
nicht leisten, also so groß sind halt die Margen nicht, weil ich komme nochmal
0:27:35–0:27:37
zu dem Jeansstapel zurück.
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Wenn da zehn Jeans liegen, muss ich die ersten fünf Jahre verkaufen,
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nur um die Rechnung zu bezahlen.
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Und ich habe gerade schon gesagt, die nächsten fünf sind extrem schwierig.
0:27:47–0:27:52
Aber erst dann kann ich meine Miete bezahlen, mein Team bezahlen und mich bezahlen mit diesen Hosen.
0:27:53–0:27:56
Und eigentlich, damit für mich was übrig bleibt, muss ich alle zehn verkaufen.
0:27:57–0:28:01
Da sieht man schon, dass es halt eigentlich nicht funktionieren kann,
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dass für die Unternehmerin was übrig bleibt.
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Außer du hast halt diese Systeme, wo du wirklich nachziehen kannst.
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Hast du da, würdest du sagen, von jedem Basic-Leistungsstück gibt es da zumindest eine,
0:28:17–0:28:23
vielleicht auch zwei, drei Firmen, wo du sagst, okay, die haben eine gute Qualität,
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die produzieren so, dass ich denen vertraue und bei denen muss ich nicht in
0:28:28–0:28:33
diese Fast-Fashion-Zirkel einsteigen, weil ich einfach nachbestellen kann, wenn ich brauche?
0:28:34–0:28:38
Ja, doch. Also ich würde sagen, dass es in verschiedenen Varianten,
0:28:39–0:28:41
jede Konditionen sind ein bisschen anders.
0:28:42–0:28:48
Aber dieses Sortiment haben wir im Prinzip in den letzten zehn Jahren aufgebaut, nach und nach.
0:28:48–0:28:52
Immer wieder eine bessere Alternative gefunden, die besser zu uns passt.
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Immer mehr vorordern dann bleiben lassen. Also am Anfang haben wir das auch
0:28:56–0:28:59
gemacht, weil ich meine, das ist halt, wie man es macht.
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Oder beziehungsweise du wirst halt gewisse Marken aufnehmen und dann sagst du,
0:29:03–0:29:04
ja gut, dann mache ich das halt.
0:29:05–0:29:10
Aber ich war so froh, vor allem dann, als das anfing mit Lockdown und so,
0:29:10–0:29:13
dass sich das eben ganz sparsam gemacht hat, weil ich glaube,
0:29:13–0:29:16
das hat viele einfach dann richtig in die Bredouille gebracht.
0:29:18–0:29:22
Ja, das hat viele in die Bredouille gebracht, außer die, die halt sozusagen
0:29:22–0:29:25
auf dieses ganze Online-Business spezialisiert waren.
0:29:26–0:29:31
Also ich glaube halt dieses Online, der Online-Verkauf und halt viel Geld für
0:29:31–0:29:37
Werbung ausgeben, die dann auch irgendwie online ankommt, das funktioniert ja.
0:29:37–0:29:40
Ja, aber bei diesem ganzen Online vielleicht da noch ein Schwenker hin.
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Also das ist ja auch absurd, was da passiert. Richtig absurd.
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Also vielleicht erzählst du mal, weil ich weiß es glaube ich nicht so gut wie
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du. Aber aus meiner Perspektive werden da einfach ultra viel...
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Quatsch produziert, den man sich ultra billig irgendwie bestellen kann.
0:29:54–0:29:59
Dann kriegt man riesige Kartons hingebracht, was ja auch schon sozusagen zu
0:29:59–0:30:02
ganz viel Emissionen führt und Lärmbelästigung, weil da ständig irgendwelche
0:30:02–0:30:05
LKWs rumfahren, um dir dein Paket zu bringen.
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Dann probierst du es an, dann magst du vielleicht zwei Dinge behalten,
0:30:09–0:30:11
dann schickst du den Rest wieder zurück.
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Dann wird dieser Rest aber wahrscheinlich eher zerstört, als dass er nochmal
0:30:14–0:30:17
eingesetzt wird. Und fertig.
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Sie sagen wohl, dass sie das wieder verkaufen, aber ist halt echt Arbeit so.
0:30:24–0:30:27
Und allein das, was du beschreibst mit den ganzen Kartons und den Emissionen,
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dass es halt durch die Gegend gefahren wird, ist halt voll irre.
0:30:31–0:30:35
Also ich mache niemanden mit einem Vorwurf und ich mache das auch,
0:30:35–0:30:39
wenn man ganz gezielt ein Produkt bestellt, was man bei sich vor Ort nicht bekommen kann.
0:30:41–0:30:44
Also es gibt zum Beispiel diese eine Bafungsschuhmarke, die ich gerne mag.
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Ja, die gibt es nicht in Läden. Dann muss ich das halt bestellen. Aber dann...
0:30:49–0:30:52
Kümmere ich mich halt darum, dass ich halt dieses eine Paar Schuhe bestelle,
0:30:53–0:30:56
was mir dann im Zweifel auch passt und dass ich das behalte.
0:30:56–0:31:00
Was halt ganz viele Leute machen, ist, dass sie halt zehn Kleidungsstücke bestellen,
0:31:00–0:31:05
schon in verschiedenen Größen, wo sie auf jeden Fall was zurückschicken werden.
0:31:06–0:31:11
Und ja, also es gab da verschiedene Studien, wo Leute dann GPS-Tracker an solche
0:31:11–0:31:14
Retouren gemacht haben und das halt verfolgt haben.
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Und ja, es landet halt bei dubiosen Adressen und die schiere Menge ist halt einfach nur irre.
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Und es landet halt im Zweifel im Müll, es wird deponiert oder also auch unsere
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Altkleider, das ist ja das nächste, was einfach ein Riesenproblem ist.
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Ich habe vor kurzem einen Podcast gehört, da fiel eine Zahl.
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Eine Million Tonnen Altkleider pro Jahr in Deutschland.
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Das ist eine LKW-Schlange und vor ein paar Jahren war die noch von Hamburg bis
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München und mittlerweile geht sie schon bis Salzburg.
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Diese LKW-Schlange von Altkleidern pro Jahr.
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Und man sieht, die Atacama-Wüste ist ja voll mit unseren Altkleidern,
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weil wir behalten das ja nicht in Deutschland.
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Wir spenden das ja für den guten Zweck, aber dieser gute Zweck funktioniert halt nicht gescheit.
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Landet dann in der Atacama-Wüste, kann man von Mond aus sehen,
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diese Textilberge. Also es ist wirklich, wirklich irre.
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Größtenteils halt aus Plastik, sprich Mikroplastik ins Meer,
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in Hülle und Fülle. Also es ist wirklich, wirklich so, dass man sagt,
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Gar nicht. Und das Altkleidersystem kollabiert halt auch gerade wegen Fast Fashion,
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weil diese Kleidungsstücke nicht Secondhand-fähig sind.
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Also wenn du halt diese Ultra-Fast-Fashion-Marken siehst beim Kleidertausch,
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dann lässt du es halt auch liegen.
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Also die sind nicht Secondhand-fähig, die kann man eigentlich nur thermisch
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verwerten. Und wenn du jetzt schaust, die EU ist da eigentlich auch gerade echt
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hinterher mit Textilstrategie, blablabla.
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Das ist im Prinzip ein guter Ansatz. Also man will die Hersteller mehr in die
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Verantwortung nehmen, dass sie auch für die Abfälle quasi aufkommen sollen.
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Aber es ist halt völlig unklar, was man mit diesen Abfällen macht.
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Und dann heißt es halt, ja, die sollen stärker bewirtschaftet werden.
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Und man will halt irgendwie eine Kreislaufwirtschaft. Aber ich sehe das nicht.
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Ich sehe das überhaupt nicht. Weil Textilrecycling ist einfach praktisch noch ganz, ganz schwer.
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Also es gibt Jeans mit 30% Recyclingbaumwolle zum Beispiel.
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Ich bin da sehr kritisch, weil ich repariere Jeans. und komischerweise diese
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Hosen, wo dann drin steht 30% Recyclinganteil, also ich gucke mir immer die
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Etiketten an, die haben dann einfach leider innerhalb von kürzester Zeit ziemlich große Löcher.
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Finde ich halt dann gar nicht nachhaltig.
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Also halt lieber aus neuem, gutem Material eine gescheite Hose produziert,
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die dann lange hält, die man gut reparieren kann, die man dann noch als Putzlappen
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verwendet und dann wirklich in den Rest mitschmeißt.
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Das finde ich halt sinnvoller, als zu sagen, wir machen jetzt hier irgendwelche
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Textilien, die wir im Kreislauf halten können. Das ist einfach bei Textil nicht der Weg.
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Das funktioniert irgendwie bei Glas, das funktioniert bei Papier.
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Man hört auch nicht so 100 Prozent, aber da haben wir etablierte Recyclingkreisläufe.
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Deswegen sollten wir trotzdem nicht einfach Papier verschwenden.
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Also Vermeidung muss halt immer der erste Weg sein und bei Klamotten sehe ich das ganz massiv. Und,
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Das Krasse ist, dafür braucht es wirklich andere Geschäftsmodelle,
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weil die bisherigen, die funktionieren einfach nicht.
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Und da sind wir wieder zurück bei unserer Gemeinschaft.
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Und du hast vorhin ganz am Anfang gesagt, das ist so ein kleines Puzzleteil.
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Aber ich sehe genau, dass wir diese kleinen Puzzleteile brauchen,
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weil ich will nicht die Verantwortung auf die Konsumenten abwälzen, gar nicht.
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Aber es braucht tatsächlich auch das,
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dass wir unsere Konsumentscheidungen tatsächlich überdenken,
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dass wir gucken, wie gehen wir mit unserem Schrank um, was kaufen wir,
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kann man das reparieren, was habe ich Lust selber zu reparieren und was mache
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ich einfach mit den Dingen, die ich aussortiere.
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Und ich hatte vor kurzem so einen Gedanken von, hatte wieder die Strumpfhose
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vor meinem Sohn ein Loch und dann habe ich sie zerschnitten und Putzflappen
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draus gemacht und dann dachte ich so, ja, Klamotten reparieren ist ein Akt der
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Rebellion, aber Klamotten wegschmeißen auch.
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Weil wir merken das auch, dass oft Leute zu uns kommen mit Sachen,
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die wirklich Müll sind und die uns dann fragen, ob wir daraus nicht noch was
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machen können. Und ich so denke, nee, sorry, ist einfach Müll.
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Also wir können auch nicht quasi die Systeme mit unserem Müll überlasten, sondern,
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weil Sortierung ist halt ein riesen Kostenfaktor bei Altkleidern,
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wir müssen quasi alle Leute so befähigen, dass sie quasi diese Sortierung selber
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machen und dass sie selber wissen,
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was man damit noch machen kann oder auch nicht.
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Also da sehe ich einen ganz großen Hebel, dass man tatsächlich die Dinge so
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lange benutzt, bis sie Putzlappen werden, sie dann als Putzlappen benutzt,
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statt lauter neue Putzlappen zu kaufen und sie dann wirklich wegzuschmeißen.
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Ja, ich finde es so...
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Jetzt nochmal aus der klassischen Konsumentinnenperspektive,
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die jetzt auch gerade wieder vor der Aufgabe steht, die Kleiderschränke meiner
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beiden Kinder, die ja ständig wachsen.
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So ein Nerv, Nerv, Nerv, dass sie ständig wachsen.
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Diese Kinder, ey.
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Genau. Und es beginnt die neue Jahreszeit und genau, lauter Kleider,
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die nicht mehr passen, sind in meinen Schubladen.
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Die meisten davon tatsächlich, also ich kaufe eigentlich kaum,
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also außer bei dir ab und zu, kaufe ich kaum Kleider für meine Kinder neu,
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weil wir alles vererbt bekommen von irgendwelchen Cousinen, Cousins, Freunden und so weiter.
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Genau, und da sind dann halt manche Sachen dabei, die kannst du auch weitergeben
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und die gebe ich dann auch weiter ans Sozialkaufhaus zum Beispiel, da sortieren die die.
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Genau, aber dann gibt es auch Dinge, die einfach, ja, ich bin auch keine gute
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Wäscherin, muss ich zugeben.
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Also die ist auch einfach nicht mehr so richtig, also die müsstest du dann wirklich,
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da müsstest du wirklich Zeit und Arbeit reinstecken, die irgendwie neu einzufärben
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oder, also die sind dann vergilbt und irgendwie verwaschen halt, wie man es so kennt.
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Und genau, also wenn ich jetzt nochmal zusammenfasse, was ich von dir gehört
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habe, ist es eigentlich dieses, ist es eigentlich erstmal, der erste Schritt
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ist, ich kaufe weniger und schaue, dass ich qualitativ hochwertige Sachen kaufe.
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Und gerne bei Leuten, denen man sein Geld geben will, wo man sagt,
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hey, das ist doch eine gute Sache. Also das einfach bewusst zu entscheiden.
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Vielleicht kannst du ja da, es wäre mega cool, wenn wir vielleicht dieser Folge
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eine Liste anhängen könnten, wo du sagst, okay, diese, was weiß ich,
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lass mal zehn Firmen oder so, sag ich als Profi,
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denen kann ich vertrauen. Nee, weil ich finde es ultra schwierig.
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Also ich gehe jetzt zu dir und bei dir kaufe ich sozusagen ohne Gewissensbisse ein.
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Aber ich finde es ultra schwierig, das einzuschätzen. Ich finde,
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jeder Bereich unseres Lebens ist so eine Wissenschaft geworden.
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Ich weiß sozusagen, im Internet kann ich überhaupt nicht mehr darauf vertrauen, was es war, was nicht.
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In der Textilwirtschaft, der grüne Knopf, den irgendwie, wie hieß,
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dieser Entwicklungsminister Müller eingeführt hat, da kam auch raus, ist totaler Homburg.
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Also nicht mal der Bundesregierung und ihrem Label kann man trauen.
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Also so überall, alle schreiben irgendwie nachhaltig und bio drauf und du weißt
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eh, dass es nicht stimmt.
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Also es ist ultra schwierig, finde ich, da sozusagen für sich irgendwie rauszufinden,
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wie ist es denn, wie arbeiten die wirklich, welche Leute stecken denn wirklich
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dahinter und deshalb, glaube ich, braucht das auch so Expertinnen wie dich dann,
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die sagen, hey und ich habe mich in diesen Bereich reingefuchst und ich kann
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dir in diesem Bereich sagen,
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das ist gut und das ist nicht gut und das funktioniert und das funktioniert
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nicht und die Qualität stimmt. und die nicht. Genau.
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Ja, tatsächlich. Also das ist auch, denke ich, die Leistung,
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die wir als Einzelhandelsläden im Fair-Fashion-Bereich erbringen.
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Das ist unsere Hauptleistung, dass wir diese Auswahl treffen und dass wir ein Sortiment kuratieren.
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Und ich glaube, das wäre tatsächlich auch meine Empfehlung.
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Weil geht in einen Fair Fashion Store. Und wenn es bei euch in der Stadt oder
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im Ort keinen gibt, dann guckt im Umkreis.
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Weil Klamotten müsst ihr nicht jede Woche kaufen. Das ist nicht,
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wie wenn ihr jetzt sagt, ich kann aber meine Lebensmittel nur da und da kaufen,
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weil alles andere überfordert mich.
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Macht einen coolen Ausflug daraus. Also wir haben ja hier auch viel im Umland,
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dass dann die Familien einfach kommen und dann kriegt halt jeder irgendwie was.
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Und die haben dann auch manchmal eine ganze Liste, was sie alles brauchen,
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was fehlt in ihrem Schrank.
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Das finde ich großartig, weil es ist so eine bewusste Entscheidung zu sagen,
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wir wollen jetzt fair produzierte Kleidung und wir gehen da in diesen Laden,
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weil da wissen wir, da gibt es gescheites Zeug.
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Das reicht halt, wenn man das einmal im Jahr macht oder sogar alle zwei, drei Jahre.
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Weil das ist wirklich ein nachhaltiger Umgang mit Kleidung.
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Also Shoppen als Freizeitbeschäftigung habe ich noch nie verstanden,
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aber das ist halt irgendwie absurd.
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Heißt nicht, dass es nicht Spaß machen darf. Also mir macht es total Spaß,
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wenn ich im Urlaub bin, dann zu sagen, hey, da ist ein Fair Fashion Laden,
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da gehe ich jetzt rein und gucke, was die Cooles haben.
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Ja, das wäre wirklich meine Empfehlung, an so einen Ort zu gehen,
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wo quasi diese Expertise vorhanden ist, weil es wirklich überwältigend ist.
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Und es ist ein Dschungel, man kann da nicht durchblicken, weil auch ein Problem,
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was ich sehe, was ist überhaupt nachhaltig? Es ist nicht definiert.
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Niemand hat das festgelegt.
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Und auch wenn immer mal wieder so Vorschläge kommen von, man soll doch irgendwie
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einen geringeren Mehrwertsteuersatz für nachhaltige Produkte machen,
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denke ich so, wie willst du das machen? Weil was sind nachhaltige Produkte?
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Also selbst wenn du sagst, du gehst auf die Materialien. Ja,
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es funktioniert nicht, weil je nachdem, für was du es benutzt,
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brauchst du halt was anderes.
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Oder du setzt dann, du hast irgendwie ein ökologisches Material,
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eine Recyclingfähigkeit und eine Reparaturfähigkeit.
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Manchmal widersprechen sich diese Dinge halt.
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Oder Funktionalität, gerade im Outdoor-Bereich. Also manchmal braucht es halt Plastik.
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Und es ist auch voll okay im Outdoor-Bereich, wenn irgendwas einfach dicht sein muss.
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Alles gut, aber dann musst du es halt haltbar und reparaturfähig machen.
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Also es gibt nicht dieses eine Kriterium und ich lande immer wieder bei diesem, es kommt drauf an.
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Und deswegen finde ich halt uns als Anlaufstelle sozusagen so wertvoll,
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wo unsere Gemeinschaftsmitglieder einfach hinkommen und wissen.
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Egal welche Frage sie haben zu ihrer Kleidung, entweder wissen wir die Antwort
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oder wir finden sie heraus.
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Ja, mega, genau. Das mal zu diesem ganzen, ich schaffe mir was neu an.
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Aber das ist ja nur, genau, also ich vermeide sozusagen, mir viele neue,
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schlechte Kleidung zu kaufen.
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Ich kaufe mir wenig gute Kleidung. Aber dann habe ich jetzt immer noch diesen
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Kleiderschrank voll mit Klamotten und dann haben wir diese riesige Schlange
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von LKWs von Salzburg bis Hamburg und die ist ja da.
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Mit der müssen wir jetzt umgehen. Und genau, ich wäre sehr stark dafür,
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dass wir nicht weiter die Atacama-Wüste vollmüllen mit unseren Klamotten,
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sondern wirklich überlegen, was, also vielleicht da nochmal,
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was, wenn du alle Ressourcen hättest, die du dir wünschen kannst,
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was würdest du jetzt tun? Also genau.
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Ich würde es erst mal sichtbar machen für alle, weil ein Argument gibt es noch,
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darüber haben wir jetzt noch nicht gesprochen und was mir auch immer ein bisschen
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schwerfällt, es zu entkräften, ist ein soziales.
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Und zwar wird oft argumentiert, dass es diese sehr günstige Kleidung braucht,
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damit alle Menschen sich neue Kleidung leisten können,
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weil Secondhand tatsächlich auch immer noch ein bisschen mit Stigma verbunden
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ist und dass auch gerade junge Menschen dann nicht die neuesten Kleidungsstufe...
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Würde ich sagen, wir brauchen wirklich diese Alternativen und diese anderen
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Sachen brauchen wir wirklich zentral in den Innenstädten für alle sichtbar und
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ganz niedrigschwellig zugänglich,
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damit wir da auch wirklich einen Wertewandel haben.
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Dass es eben nicht mehr sozial notwendig ist, irgendwie in bestimmten Läden einzukaufen.
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Weil also da brauchen wir, glaube ich, wirklich einfach diesen Wandel,
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dass es eben in Ordnung ist, die Kleidungsstücke anzuziehen, die einem gefallen.
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Ganz einfach. Und die halt eh schon da sind. Das ist nämlich,
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wir haben für die nächsten, ich weiß nicht, ich glaube sechs Generationen existieren
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die Kleidungsstücke schon auf diesem Planeten.
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Also wir müssten eigentlich gar keine mehr neu produzieren.
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Und deswegen, diese LKW-Schlange ist da. Das Problem ist, sie wird jedes Jahr länger.
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Und da müssten wir halt mal aufhören zu sagen, hey, also es gibt einfach eine
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krasse Überproduktion permanent.
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Dem müsste man irgendwie einen Riegel vorschieben. Und gleichzeitig,
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also ich nenne das immer Urban Mining, auch was wir so machen,
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wenn ich irgendwas brauche, rufe ich in meine Gemeinschaft.
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Zum Beispiel brauchen wir im Laden ein neues Handy, dann rufe ich in die Gemeinschaft
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und dann kriege ich zwei Handys, die noch irgendwo in der Schublade liegen.
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Genauso haben wir jetzt gesagt, Mensch, wenn ihr auch mal bei uns einen Fehlkauf
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habt, passiert einfach.
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Du kannst es immer nicht ausschließen, dass alle Teile Lieblingsstücke werden. Das wird nicht klappen.
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Dann können die halt ihre Fehlkäufe wieder zu uns zurückbringen und andere Leute
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aus der Gemeinschaft können sie einfach kostenlos mitnehmen.
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Oder wir tauschen Sachen und so, dass wir einfach in den Innenstädten Kaufhäuser
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haben. Und es gibt tatsächlich Orte, wo es sowas gibt, wo wir Materialien sammeln,
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wo wir Kleidungsstücke einfach weitergeben.
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Und dann muss halt dieser Ort
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finanziert sein. Aber diese Kleidungsstücke können halt sehr günstig sein.
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Also im Prinzip ist es wie ein Sozialkaufhaus, aber halt noch erweitert,
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wo du dann auch reparieren kannst, wo es Workshops gibt, wo du mitmachen kannst.
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Aber Sozialkaufhäuser sind halt oft am Rand der Stadt, da musst du ewig hinfahren.
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Das ist nicht in den Innenstädten, also in den seltensten Fällen.
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Ja, ich meine diese Kaufhofketten und so. In Speyer ist ja noch nicht geschlossen,
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aber es gibt ja in vielen Städten tatsächlich große Kaufhäuser,
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die jetzt gerade leer stehen, schließen, abgerissen werden und so weiter.
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Auch da könnte man ja sozusagen mit Vermeidung von Müll anfangen und die einfach
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vielleicht einfach noch stehen lassen und umnutzen.
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Genau, und dann würde man dort sozusagen große, ja, große schöne Lager einrichten,
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wo Menschen ihr Zeug entbringen müssen.
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Und was finanziert werden muss, ist der Ort einigermaßen und aber eben auch
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die Menschen, die sich kümmern, genau.
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Weil das kostet eben Zeit und das ist, glaube ich, das Ding unserer...
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Und diese Absurdität, in der wir leben, dass eben diese Maschinenproduktion,
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die industrielle Produktion,
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wenn die Maschinen erstmal angeschafft sind und die großen Monokulturen an Baubenwolle
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sozusagen eingerichtet sind,
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dann ist es erstmal sehr lange, sehr günstig, sehr viel zu produzieren.
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Wenn man Ausbeutung in Kauf nimmt.
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Genau.
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Weil man näht wohl mit Nähmaschinen, aber diese Nähmaschine näht niemals alleine.
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Da muss immer eine Person dran sitzen und das ist auch vielen nicht klar.
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Also selbst da kann man noch anfangen, das zu erklären.
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Also dieses System funktioniert nur, weil wir massive Ausbeutung in Kauf nehmen.
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Und da habe ich halt auch so ein großes Problem, wenn halt hier argumentiert
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wird, dass wir diese sehr günstige Kleidung brauchen für sozial schwache Menschen,
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weil wir halt anderswo dafür Ausbeutung in Kauf nehmen.
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Also ich mache nicht diesen Menschen den Vorwurf, sondern es ist einfach ein
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Systemfehler. Also das kann nicht wahr sein.
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Und was ich halt immer denke, wir sind eigentlich in einer Fülle und unser Wirtschaftssystem
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macht aber einen Mangel daraus.
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Und wir müssen eigentlich nur noch ganz, ganz wenig sehr gezielt neu produzieren.
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Was wir eigentlich tun müssten, unsere Zeit und Energie da reinstecken,
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das, was schon existiert, dahin zu bringen, wo es gerade wirklich gebraucht wird.
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Eigentlich müsste man zum Beispiel sowas machen, wie Männer mehr dazu auffordern,
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ihren Kleiderschrank auszumisten und das, was sie nicht anziehen,
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wirklich weiterzugeben.
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Das wäre zum Beispiel ein richtig effizienter Move, weil wenn man Menschen zuhört,
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die sich mit Altkleidern beschäftigen, dann sagen die,
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naja, in den Containern, ich sage jetzt, der Großteil ist halt Frauenkleidung,
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womöglich fancy Party-Outfits und wo werden Altkleider genutzt?
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In der Obdachlosenhilfe zum Beispiel.
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Ein Großteil dort sind Männer.
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Das heißt, das, was gebraucht wird, ist tatsächlich Kleidung für Männer,
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aber es landet halt nichts davon, also sehr, sehr wenig im Vergleich davon in den Container.
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So hat man ein totales Ungleichgewicht. Das andere kann man nur verkaufen,
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aber selbst diese fancy Party-Outfits will im Sozialkaufhaus eigentlich niemand haben.
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So, und man kauft es aber mit dem Wissen, ja, ich kann es ja dann spenden.
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Also diesen Gedanken muss man mal irgendwie streichen.
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Finde ich auch so. Es gibt so eine Empfehlung von, wenn man was Neues kauft,
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soll man sich überlegen, ob man es 30 Mal tragen wird.
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Das finde ich eine gute Hausnummer. Und wenn man diese Frage mit Ja beantworten kann, kaufen.
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Wenn nicht, lieber ausleihen, selber basteln, secondhand gucken.
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Ja, ich finde diese Vorstellung des Urban Minings, also auch das wirklich nochmal
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mitzunehmen, sich umzuschauen, welche Ressourcen gibt es denn um mich rum.
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Und ich finde es auch echt wichtig, dass du nochmal das Ding der Ausbeutung
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betont hast, was ich da so labidar als industrielle Produktion daher gesagt habe.
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Also es ist ja, wie hieß dieses Gebäude, was so schlimm gebrannt hat und eingestürzt
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ist, wo so viele Menschen gestorben sind und wo auch wirklich, sag ich mal,
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luxuriöse, nicht nur die Billigmarken drin waren, sondern luxuriöse Marken wie Boss und blablabla.
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Ich habe mal für eine kleine NGO gearbeitet, Südwind heißen die,
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die haben immer so Studien rausgebracht über bestimmte ausbeuterische Branchen
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und eben auch über die Textilwirtschaft.
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Und da hatten wir Lohnzettel von Arbeiterinnen aus der Schuhproduktion von auch
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namenhaften Marken, Adidas, Nike, Puma,
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die wirklich, also es war mafiös, die Strukturen, in denen die gelebt haben.
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Und wie die arbeiten mussten, weil sie nicht anders konnten,
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weil sie sonst einfach kein Essen gehabt hätten.
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Und genau das nochmal auch zu...
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Also wenn wir nicht bereit sind, hier in Deutschland, die Menschen zu bezahlen,
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die sich wirklich fürsorglich um bestimmte Bereiche kümmern und bestimmte Verantwortungen
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übernehmen, zum Beispiel Kleider zu sortieren,
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Kleider aufzuwerten, Kleider zu reparieren, so einen Ort zu halten,
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so einen dritten Ort zu halten einfach.
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Also in meinem Kopf ist es ein dritter Ort, sorry.
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Ist gut. Gedankwürsten, ich nehme das als Kompliment.
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Genau, dann wird es zur Ausbeutung woanders, die Arbeit, die wir nicht bereit
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sind, hier zu investieren.
0:51:07–0:51:12
Und wenn ich mir vorstelle, es gäbe so einen Ort, weil wir machen das ja alle
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nicht gerne. Also mir kraut es wirklich davor, diese Kleider auszusortieren.
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Mir kraut es dann auch davor, dahin zu fahren. Es fühlt sich überhaupt nicht
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gut an, diese Kleider auch dort abzugeben, weil ich weiß, dass auch die geflutet
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werden mit schlechten Klamotten.
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Und da ist auch viele von den Klamotten, die ich da hinbringe,
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irgendwie nicht mehr so geil sind, aber halt auch noch nicht schlecht genug, um sie wegzuschmeißen.
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Also so meinen Kindern würde ich sie halt noch anziehen, wenn sie nicht rausgewachsen wären.
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Aber genau, da freut sich jetzt auch niemand so richtig drüber,
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die jetzt neu zu bekommen, so sag ich mal.
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Genau, aber wenn es einen Ort gäbe, wo du jetzt nicht noch 2 Euro vielleicht,
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dein Geldbeutel ist eh knapp und dann bezahlst du 2 Euro für so eine Abgenutzung, ich weiß es nicht.
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Also wenn du einen Ort hättest, wo du einfach wirklich dieses bedarfsorientierte
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Geben und Nehmen zelebrieren könntest und dann auch noch irgendwie eine gute
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Zeit haben könntest mit den Leuten,
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die du da triffst und dann eben auch noch der große Vorteil,
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dass deine eigene Wohnung nicht so überquillt von Scheiße,
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dann wäre das wirklich sinnvoll.
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Und ja, es ist, also genau, es ist dann so, ja, bitte Staat, finanzier uns das.
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Genau, das wäre natürlich irgendwie das Schönste und Einfachste.
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Allein ich sehe es nicht.
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Und dann ist es eben wieder die Frage, okay, wer baut denn diese Orte auf?
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Und da kommen wir natürlich wieder zur Arbeit des Myceliums,
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dass wir sagen, ja, wir wollen diese Orte aufbauen.
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Und gleichzeitig sind da eben diese Rahmenbedingungen von überbordenden Mieten,
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von absurden Lohnkosten, muss man ja auch sagen.
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Auch du kämpfst jetzt seit dem 01.01.2026 mit einem erhöhten Mindestlohn.
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Und niemand von uns ist sozusagen auf dem Trichter, dass wir nicht wollen,
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dass ein Mensch genug verdient hier in Deutschland. Aber die Lohnnebenkosten,
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die wir tragen müssen als kleine Unternehmen, die hauen extrem, extrem rein.
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Und da frage ich mich halt, warum nicht Zerstörung und Ausbeutung besteuern?
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Und Maschinenarbeit letztendlich stark besteuern, davon unsere gemeinsamen Ausgaben
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decken und das, was wir wollen,
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aber dass Leute eine sinnvolle Beschäftigung haben und gut ausfinanziert sind,
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das halt nicht so hart zu besteuern.
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Weil wenn du nicht so viel Steuern bezahlen müsstest, dann könntest du 15 Euro
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Mindestlohn auch stemmen.
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Aber es sind ja dann auch noch die Nebenkosten, die reinhauen.
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Ja, genau. Also große Textilcenter. So ist es. Kannst du da Beispiele in den
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Ausstädten, wo du das kennst schon?
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Also was ich total wichtig finde, was du noch gesagt hast, ist,
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dass es einfach ein guter Ort ist, wo man gerne hingeht und wo man sich auch aufhält.
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Weil ich glaube, da ist ein ganz starker Schlüssel in dieser Begegnung,
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in diesem Zeitverbringen, in diesem guten Gefühl.
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Und dann passiert es so fast nebenher, dass man sagt, hey, boah,
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eigentlich braucht mein Sohn noch Shirts, dann gucke ich doch mal da.
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Und dann, also in meinem Kopf geht es noch einen Schritt weiter,
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wo man dann gar nicht zwei Euro für die Shirts bezahlen muss.
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Weil, wenn die Miete bezahlt ist und wenn die Menschen, die diesen Ort halten,
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pflegen, sich kümmern, wenn die auch bezahlt sind, wie jetzt auch immer,
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aber nehmen wir das mal an.
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Die Sachen, die kommen einfach so. Die sind ja einfach da.
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Wenn du die da abgibst, wirst du ja nichts dafür haben. Also kann man sie ja
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auch kostenlos weitergeben.
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Wir müssen im Moment für Secondhand nur Geld nehmen, weil das das Geschäftsmodell
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ist, weil wir mit diesem Geld quasi halt die Leute und die Miet bezahlen.
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Wenn wir das nicht müssten.
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Dann können wir es auch kostenlos rausgeben. Wir machen das übrigens so mit unserer Sale-Stange.
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Also wir haben ja keine Sale, aber wir sagen, wenn ich irgendwelche Latenhüte
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habe oder Sachen mit kleinen Fehlern oder eben die Fehlkäufe von der Gemeinschaft,
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die zurückkommen, die können die Gemeinschaftsmitglieder einfach kostenlos mitnehmen.
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Und dann sind die so, wie, ich muss nichts dafür bezahlen. Dann sage ich,
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du, dieses Kleidungsstück, das ist mir hier nur noch lästig.
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Wenn es dir passt, dann nimm es bitte mit.
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Und dann hebeln wir halt den Markt komplett aus. Also eigentlich muss man für
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Kleidungsstücke dann gar kein Geld mehr bezahlen. Und wie großartig ist das?
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Also du kannst einfach das halt eigentlich kostenlos zur Verfügung stellen,
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wenn du diese Orte ausfinanzierst.
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Genauso mit dem Material. Also wir machen auch einmal im Monat eine Materialtauschbörse
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für Stoffe und Wolle. Da ist es genauso.
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Also wenn da Leute hinkommen und sagen, wie, das kann ich jetzt einfach alles kostenlos mitnehmen.
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Ja, es kommt jeden Monat wieder neu von Leuten, die das einfach gekauft haben, das nicht brauchen.
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Das ist irgendwie ein Rest und alle wollen es eigentlich nur loswerden.
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Wir suchen immer Leute, die was haben wollen.
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Wo ich sage, es gibt diese krasse Fülle. Wir haben genug Zeug.
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Wir müssen eigentlich gar nichts mehr produzieren.
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Trotzdem ist es schön, wenn wir die Pioniere, die es anders und besser machen
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und eine gute Textilindustrie aufbauen, wenn wir die jetzt unterstützen,
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dass die weitermachen können.
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Weil meine Utopie, irgendwann wird
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der ganze Mist tatsächlich nicht mehr produziert, sondern nur noch das.
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Und deswegen brauchen wir auch ein paar neue Sachen.
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Aber es ist ja eine echt schöne Vorstellung zu sagen, okay, keine Ahnung,
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ich bezahle 50 Euro im Monat.
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Zusammen mit, ich meine für den Staat jetzt mal vielleicht 200 anderen Leuten.
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Dann haben wir 10.000 Euro Fixkosten, davon können wir,
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Ich sage mal, vielleicht eine Miete und eine Person bezahlen, realistischerweise.
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Und dann haben wir aber Zugang immer zu kostenloser Kleidung.
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Ich meine, das hört sich an wie eine Utopie, ist aber eigentlich völlig easy
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zu organisieren, wenn du diesen Gedanken vermittelt bekommst.
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Und da würde ich gerne zum Schluss nochmal hinblicken, weil du sitzt jetzt in Mannheim.
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Es gibt auch in ganz vielen anderen Orten, auf Instagram sehe ich das immer,
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Menschen, die sich wirklich für nachhaltige Kleidung einsetzen,
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in was für einer Form auch immer.
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Also in verschiedenen Formen. Entweder indem sie neue Kleidung verkaufen oder
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indem sie so alte Lieblingsstücke auswählen und neu aufbereiten und verkaufen.
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Aber es ist halt immer dieser Verkaufsaspekt noch da drin und auch immer dadurch
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ein Ausschluss von einer bestimmten Gruppe, weil immer wenn menschliche Arbeit
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reinfließt und Miete, musst du natürlich auch das verlangen.
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Oder wenn Klamotten eben nicht auf Ausbeutung beruhend produziert ist,
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dann hat das eben seinen Preis.
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Und da aber nochmal zu überlegen, wie können wir das jetzt vielleicht von der Pika auf?
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Ich meine, wir haben so viel Leerstand in den Innenstädten und wir haben so
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viel Überfluss an Klamotten.
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Gerade heißt es auch, wir dürfen den nicht mehr in den Restmülldingsen.
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Die ganzen altkleiner Container werden bei uns hier abgebaut.
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Also man weiß wirklich einfach auch gar nicht mehr, wohin mit seinem Zeug.
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Und man sieht auch, also genau, ökologisch ist eh schon sozusagen übers Limit hinaus. Heißt.
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Das wäre doch wirklich ein cooles Projekt zu sagen, okay, wir suchen 200 Leute,
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die bereit sind, dieses Experiment auszuprobieren.
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Die finanzieren einen Monat vor, in dem suchen wir den Raum,
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suchen, also genau, weil denen muss es geben, richten den ein.
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Und dann fangen wir an, wirklich Menschen einzuladen mit irgendeinem Textilien.
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Und dann kann ich mir auch vorstellen, dass ich echt mal so einen Samstag mit
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meinen Kindern in Textilbergen verbringe und da sortiere und gucke,
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was ist schön und was ist nicht schön.
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Also ich habe das ehrlich gesagt gerade gemacht, wir von meinem Kindergarten,
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gemeinschaftsbasierter Kindergarten auch, organisieren immer zweimal im Jahr einen Flohmarkt.
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Und das sortieren wir echt so aus 100 doppelten Kartons, also 200 Kartons sortieren
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wir Kleidung nach Größe.
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Und wenn das dann, und die Sachen, die ich nicht verkaufe, wenn die sortieren,
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wird dann auch wieder zurück. Also eine Heidenarbeit und endliches Sortieren.
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Aber wenn man das nicht sozusagen nur für ein Wochenende macht,
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sondern diese Kleider dort auch immer liegen bleiben könnten und man die einfach
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einsammeln könnte, wäre natürlich mega.
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In diesem Sinne würde ich gerne einladen, dass man sich meldet bei dir auf deiner
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Webseite, über die Webseite umgekrempelt oder über Instagram oder wie auch immer oder bei mir,
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also über den MYZELIUM-Ökosystem-Verein.
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Oder ihr kommt einfach, wenn ihr es jetzt rechtzeitig und direkt,
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wenn die Folge rauskommt, hört.
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Wir haben nächste Woche am 18.
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Den Mittwoch um 20 Uhr auch eine MYZELIUM-Mitte.
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Ein Format, ein Online-Austauschformat für Fördermitglieder des MYZELIUM-Ökosystems,
0:59:55–0:59:56
aber auch für alle, die mal reinschnuppern wollen.
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Heißt, da wird Isabel wieder dabei sein. Da werde ich wieder dabei sein und
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da werden wir dieses Gespräch so ein bisschen fortsetzen und versuchen mit,
1:00:04–1:00:09
Ja, mit einer Perspektive vielleicht auch zu füllen. Da sind auch alle herzlich
1:00:09–1:00:11
eingeladen, die sich mit dem Thema schon beschäftigen oder vielleicht selbst
1:00:11–1:00:15
Ambitionen haben, sowas mit aufzubauen.
1:00:15–1:00:20
Und vielleicht findet sich da ja ein Krippchen, was so oder ein ähnliches Projekt
1:00:20–1:00:23
angehen möchte, weil die Zeit ist
1:00:23–1:00:27
reif und sie drängt und wir müssen jetzt wirklich in die Puschen kommen.
1:00:28–1:00:32
Wirklich Lösungen einfach umzusetzen, weil der Staat wird es nicht tun,
1:00:32–1:00:37
Der Markt wird sich auch nicht freiwillig umorganisieren, aber die Gemeinschaft
1:00:37–1:00:39
kann eben gemeinsam handlungsfähig werden.
1:00:39–1:00:43
Das sehen wir an deiner Gemeinschaft, die gerne noch größer werden darf und
1:00:43–1:00:45
gerne auch größer werden im Sinne von,
1:00:46–1:00:51
hey, wirklich auch platzmäßig vielleicht mehr Möglichkeiten zu bekommen und
1:00:51–1:00:54
nicht auf Kosten von Ausbeutung.
1:00:54–1:00:57
Also ich sage das nochmal, weil auch nicht auf Kosten von deiner Ausbeutung
1:00:57–1:01:04
so, weil du gehst ja immer wahnsinnig ins Risiko und in Vorleistung und so weiter.
1:01:05–1:01:08
Wir übrigens auch alle im MYZELIUM mal dazu gesagt, ja wirklich,
1:01:09–1:01:10
wir verdienen hier mit unserer Arbeit nicht viel Geld.
1:01:11–1:01:14
Das will ich auch nochmal hier betonen. Und auch unsere Unternehmerinnen,
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die immer gemeinwohlorientiert arbeiten, verdienen nicht viel Geld.
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Also wahrscheinlich auch in vielen Fällen noch unter dem Mindestlohn,
1:01:22–1:01:26
weil sie eben selbst und ständig an der Sache dran sind, weil sie eine Vision
1:01:26–1:01:29
verfolgen und weil sie diese Welt ein Stückchen besser machen wollen.
1:01:29–1:01:32
Und das wollte ich einfach auch nochmal betonen, weil das wichtig ist zu hören.
1:01:34–1:01:36
Genau, letzte Worte von dir, Isabel.
1:01:37–1:01:41
Ja, lass diese Fülle anzapfen. Das ist eigentlich alles da. Und für mich sind
1:01:41–1:01:43
es eben ganz viele kleine Puzzleteile.
1:01:43–1:01:47
Und was ich auch nochmal sagen muss, niemand muss das alles machen,
1:01:47–1:01:50
sondern jeder darf sein kleines Puzzleteil dazulegen.
1:01:50–1:01:54
Also vielleicht lässt du dir einfach mal was maßschneidern, vielleicht gehst
1:01:54–1:01:57
du das erste Mal in Second Hand laden, vielleicht lässt du zum ersten Mal irgendwie
1:01:57–1:02:01
was reparieren, vielleicht kommst du einfach mal zum Gemeinschaftstreffen oder
1:02:01–1:02:03
zu einem Reparaturtreffen,
1:02:03–1:02:07
egal warst du davon, was dein nächster Schritt ist.
1:02:07–1:02:11
Also wir starten ja auch bei ganz unterschiedlichen Situationen.
1:02:12–1:02:15
Manche haben schon wahnsinnig viel Nachhaltigkeit in ihrem Leben umgesetzt und
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andere fangen gerade damit erst an und alles ist gut.
1:02:18–1:02:23
Jeder nächste Schritt ist einfach irgendwie eine Erfahrung und das ist auch,
1:02:23–1:02:26
glaube ich, das, was diese Gemeinschaft bei uns so wertvoll macht,
1:02:26–1:02:32
dass wir eben diesen Raum für Austausch da aufmachen und die Leute eben diese
1:02:32–1:02:33
Erfahrung machen können.
1:02:33–1:02:35
Und dann kommt nach dem ersten Schritt eben der zweite und der dritte.
1:02:35–1:02:39
Und ich glaube, so kommen wir weiter.
1:02:39–1:02:47
Und was mit dem Großen und Ganzen passiert, ja, da sehe ich nicht meinen Handlungsspielraum.
1:02:47–1:02:52
Aber ich kann eben hier vor Ort die kleinen Puzzleteile zusammenfügen.
1:02:52–1:02:54
Und das ist das, was ich machen möchte.
1:02:54–1:03:01
Mega. Danke für deine Arbeit. Danke für deine Zeit. Ja, danke für deine...
1:03:02–1:03:07
Dein Blick auf die Welt. Danke fürs Zuhören an die Menschen da draußen.
1:03:08–1:03:12
Und genau, ich habe jetzt gelernt von anderen Podcastern, dass man auch immer
1:03:12–1:03:14
mal wieder dazu sagen darf,
1:03:14–1:03:18
wenn ihr irgendwie auf Spotify, da solltet ihr eigentlich eh nicht mehr sein,
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aber ich bin da auch noch zugegebenerweise, oder bei einem anderen Podcast-Hörer
1:03:22–1:03:25
seid, es gibt diese Funktion, dass man diesen Podcast bewerten kann.
1:03:25–1:03:27
Und dann wird der anderen Leuten auch eher angezeigt.
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Also bitte bewertet den, bestenfalls
1:03:29–1:03:33
auch gut, auch wenn wir hier immer wieder schräges Zeug machen.
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Genau, gebt eine Bewertung ab und irgendwie lasst einen Kommentar da oder so.
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Das wäre wichtig, um uns einfach zu verbreiten. leitet auch gerne diesen Podcast
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ganz speziell an Menschen weiter, die auch Textilwirtschaft verändern wollen,
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weil die einzige Möglichkeit, dass sich was verändert,
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denke ich, ist, dass die Menschen sich zusammentun mit ihren Themen,
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die ihnen wichtig sind und die sie verändern wollen.
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Und dafür gibt es ja uns, das MYZELIUM, um diese Menschen in Verbindung zu bringen.
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Deshalb bis bald, bis nächste Woche bei der MYZELIUM Mitte oder bei Isabels
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Beitragsabend und als Ultra.
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Oder bis zum nächsten Podcast. Bis dahin. Tschüss.
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Tschüss.
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Du möchtest diesen Podcast und den Wandel auch finanziell unterstützen,
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dann geh doch auf MYZELIUM.com, werde mit wenigen Klicks Fördermitglied in unserem
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MYZELIUM-Ökosystem und werde Teil einer Gemeinschaft, die tiefgreifende Veränderung bewirkt.
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Denn die Gemeinschaft von heute ist der Wandel von morgen.
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Schön, dass du heute mit dabei warst. Wenn du andere Menschen kennst,
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für die das auch hilfreich sein könnte, dann teile doch gerne diese Folge und
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hilf uns, die Idee des gemeinschaftsbasierten Wirtschaftens weiter zu verbreiten.