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Krisensicher-Ausgebüxt!

Der Ansatz: gemeinschaftsbasiert, unternehmerisch, bedürfnisorientiert.



Autor*in: Sara v. Jan /SoliReklame.info

Jana und Paddy Heck von Ausgebüxt. Foto: Ausgebüxt.


… und dann haben wir gemerkt, dass wir, auch als Unter­nehmer* -innen, viel mehr Bedürfnisse haben als nur finanzielle.

Stellt euch mal vor, ihr gründet ein Unternehmen und könntet genau das machen, was ihr machen wollt. Genau zu den Rahmenbedingungen, die ihr braucht. Mit einer Gemeinschaft, die euch nicht nur finanziell trägt, sondern mit euch in die Verantwortung geht – auch in Krisenzeiten!


So geht es Jana und Paddy, der ersten Ausgebüxt-Familie. Die Beiden haben eine Webseite: auf der sich alle Interessierten über Naturerlebnisse und Draußen-Abenteuer für Klein und Groß oder nachhaltige Tipps zu Recycling und nachhaltigem Konsum (wie z.B. bei Outdoorbekleidung für Kinder) informieren können. Zudem haben sie vor einem Jahr ihr solidarisches-gemeinschaftsbasiertes Projekt in Trier aufgebaut und bieten nun seit Januar 2020 für Familien eine Ausgebüxt-Familien-Gemeinschaft an.


Jana: „Wir haben in Trier etwas ganz Neues gewagt. Wir haben mit acht Familien eine kleine Gemeinschaft gegründet, die jeden Monat mit uns gemeinsam einen Naturabenteuer-Tag erleben möchte. Besonders daran ist, dass es eine feste Gemeinschaft ist, die durch alle Jahreszeiten hindurch besteht.“ Paddy: „Jeder braucht Natur in seinem Leben: Zum Fühlen, Lernen und Gemeinschaft erleben. Besonders bei Familien sollte das Naturerlebnis deshalb ein fester Teil des Alltags sein. Einmal im Monat ziehen wir mit der ganzen ‚Ausgebüxt-Familie‘ los und erleben zusammen einen Abenteuertag im Wald. Die Inhalte sind ganz verschieden – von Schnitzen, Pflanzensammeln, Querfeldein-gehen bis zu kleinen Achtsamkeitsspielen. Was genau wir machen, wird von der Gruppe mitbestimmt. Eine besondere Bereicherung ist, dass es wirklich ein gemeinschaftliches Erlebnis von allen ist: Erwachsenen und Kindern.


… und kein Kind muss funktionieren.


Angefangen hatte es mit einer Idee und einem überraschenden Bedürfnis.


Jana: „Paddy und ich wollten zusammenarbeiten. Denn wenn Du als junge Familie verschiedene Jobs hast, dann siehst Du Dich als Paar kaum noch, da immer eine*r arbeitet oder beim Baby ist. Wir wollten auch etwas zusammen machen, als Familie. Etwas, das uns allen Spaß macht, wobei wir glücklich sein können, wir unser Wissen und unseren Spieltrieb einfließen lassen. Und wir wussten zu Beginn nicht: Geht das überhaupt – Outdoorangebote mit Baby? Was machen wir denn, wenn unser Kind nicht gut drauf ist, muss es dann zum Babysitter? Müssen wir absagen? Paddy: „Wir haben dann mit Timo und Michaela von MYZELIUM, die den Aufbau unseres gemeinschaftsbasierten Familienunternehmens fachlich, innovativ und menschlich begleitet haben, etwas herausgefunden: Hey, wenn wir überlegen, was wir brauchen, um unser Projekt gut machen zu können, da geht es ja nicht nur darum, dass wir unsere Miete zahlen können oder den Kühlschrank füllen! Wir haben auch soziale, emotionale Bedürfnisse, nämlich dass wir das Ganze als Familie, mit unseren Kindern, machen wollen. Und kein Kind muss funktionieren! Das gilt für alle unsere gemeinsamen Tage und alle tragen das mit. Keine*r ist damit alleine und muss dafür sorgen, dass ein Kind ´jetzt endlich still ist´. Allein die Vorstellung davon war eine riesen Erleichterung - nicht nur für uns, für alle Ausbüxser*innen! Solche grundlegenden, alles verändernden Vereinbarungen können entstehen, wenn man gemeinschaftsbasiert denkt und handelt.“


Dann kam Corona… und auch das war kein Problem.


Viele Wirtschaftszweige sind durch den Teil-Lockdown in die Krise geraten. Ihr Angebot brach weg. Die Einnahmen auch. Das Problem hat Ausgebüxt nicht. Nicht nur in der Gründungsphase wurde unternehmer*innenzentriert und gemeinschaftsbasiert gehandelt, auch in der Krise wurden auf diese Weise Lösungen entwickelt.

Jana: „Allen war klar, dass sie selbstverständlich zu ihren finanziellen Zusagen an uns stehen, ein Jahr bei der Ausgebüxt-Familie mitzumachen. Es war auch klar: Wir können nicht zusammen in den Wald. Aber wir mussten als Unternehmer*innen keine Existenzangst haben und hatten damit die Freiheit, uns gemeinsam mit unseren Mitgliedern auf Ideensuche zu machen.“


Jana und Paddy haben dann individuelle Abenteuer-Boxen erdacht, gepackt und verschickt: Mit Schatzkarten, Unterwegsrezepten, Pflanzenbestimmungskärtchen oder Infos zum Tierspuren-enträtseln. Die Familien sind damit jeweils in den Wald gegangen und haben sich im Anschluss virtuell berichtet, was sie alles erlebt haben.

Paddy: „Gerade während der Pandemie haben die Menschen doch das Bedürfnis, Zeit in der Natur zu verbringen und die Sehnsucht nach Austausch mit anderen. Weil wir bedürfnisorientiert arbeiten und sich alle die Verantwortung für die Qualität unserer Gemeinschaft teilen, konnten wir alle auch unter widrigen Bedingungen tolle Erfahrungen machen. Am Markt wäre das so nicht möglich."


… immer solidarisch.


Die Solidarität ist zudem beidseitig. Zum einen ist es wichtig, dass die finanziellen Bedürfnisse der Organisator*innen gedeckt werden und sie auch in Krisenzeiten eine faire Bezahlung erhalten. Zum anderen soll aber bei dieser neuen Wirtschaftsform auch Niemand ausgeschlossen werden, weil er weniger Geld hat. Deshalb finanziert sich auch die Ausgebüxt-Familie von Anfang an solidarisch. Das heißt, jede teilnehmende Familie beteiligt sich mit einem Anteil, der sich an dem orientiert, was sie monatlich zur Verfügung hat. Der Eine oder die Andere fährt dann vielleicht weniger in den Urlaub, freut sich dafür aber jeden Monat auf ein neues Familien-Abenteuer.


Mehr Informationen über die Arbeit von Jana und Patrick Heck findet ihr unter www.ausgebuext.info. Im März 2021 erscheint ihr erstes Buch: Ausgebüxt-Microabenteuer mit Kindern. Ihr könnt das Buch im Buchhandel oder auf der Website des Piper Verlags vorbestellen.


Weiterführende Links: www.MYZELIUM.com www.solireklame.info

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